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Stillen und Flasche – Warum es auch beides sein darf

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Warum ich als überzeugte Stillmama nach zwei ausschließlich gestillten Kindern beim Dritten doch zur Flasche griff – und wie das etwas einfacher wird, das zeige ich Dir in diesem Artikel über Stillen und Flasche.

Stillen und Flasche - Warum es auch beides sein darf - Bild 1

Wenn mich mein Sohn in seinem ersten Lebensjahr eins gelehrt hat, dann ist es eine breiter gefächerte Sichtweise auf das Thema Stillen. Meine Töchter wurden ausschließlich gestillt, hatten jeweils kurz vor dem ersten Geburtstag genug davon und meine Erwartung war, dass wir das beim dritten Mal nicht anders machen. Als überzeugter Stillmama war mir noch kein Gramm Babynahrung in den Einkaufswagen geraten und ich hatte nicht vor, damit anzufangen…

Stillen und Flasche - Warum es auch beides sein darf - Bild 2

Irgendwie hatte ich aus den Augen verloren, dass Kinder unterschiedlich sind, auch wenn sie sich das genetische Grundmaterial teilen. So hatte mein Sohnemann im Gegensatz zu seinen Schwestern von Anfang an kein Interesse daran sich in den Schlaf stillen zu lassen, sondern immer vorher „abgedockt“. Das fand ich natürlich super, denn die Anstrengungen des in den Schlaf Stillens standen mir noch lebhaft vor Augen.

Gleichzeitig stand ich sehr ratlos da, als er mit etwa vier Monaten damit begann, sich vor dem Insbettbringen nach einem halbherzigen Versuch zu trinken schreiend abzuwenden und nicht zu trösten war, bis er erschöpft in meinen Armen einschlief. Als wir ihm in Absprache mit unserer Hebamme relativ früh seinen ersten Brei anboten, schien es so, als hätte er sein ganzes Leben auf eine echte Mahlzeit gewartet und so langsam dämmerte mir: Das Kind hat Hunger.

Stillen und Flasche?

Ich war überzeugt, dass die Beikost das jetzt ausgleichen würde und ich mit dem Stillen wie immer weitermachen könnte. Ich schöpfte alle Möglichkeiten aus, die Milchproduktion anzukurbeln (zum Beispiel mit den leckeren milchbildenden Energiebällchen), doch so richtig glücklich schien er mit der Brust nicht zu sein. Immerhin hatte ich inzwischen eine Babynahrungsprobe ins Haus geschleust, die er aber auch nicht mochte. Mit ca. 6 Monaten hatten wir uns dann, angestoßen durch eine notwendige Antibiotikaeinnahme meinerseits, eine „Notflasche“ mit trinkfertiger Babynahrung besorgt. Sein Darm hatte bisher auf alles, was ich aß, sehr empfindlich reagiert und ich wollte vorbereitet sein.

Als er eines Nachts wach wurde und sich durch nichts beruhigen ließ, die Brust verweigerte, kein Wasser wollte und auch unsere übliche Checkliste keine Erfolge brachte, zückte ich in einem Anflug von Verzweiflung besagte Fertignahrung. Und siehe da – er trank, als gäbe es kein Morgen und schlief danach friedlich ein. Das fand ich schon etwas schwierig zu akzeptieren.

Doch plötzlich ergab auch alles Sinn: Durch das Fehlen des in den Schlaf Stillens gab es für meinen Körper eine Diskrepanz zwischen Produktion und tatsächlichem Bedarf. Gleichzeitig hielt der Kleine es gar nicht erst seiner Mühe wert, wenn er nach zweimal saugen merkte, dass der Vorrat nicht seinen Erwartungen entsprach. Wenn er sich dann frustriert und schreiend abwandte, hielt ich das jedoch für ein klares Zeichen, dass es Hunger also nicht sein könnte…

Der Trick mit der Fertigmilch

Ich habe noch ein paar Monate weitergestillt, und zusätzlich zur Beikost ein bis zwei Fläschchen am Tag gefüttert. Ich lernte, mich mit der Pulvermilch anzufreunden und stellte immer wieder fest, wieviel einfacher Stillen vor allem nachts ist. Und immer häufiger war ich vom Ablauf des Zubereitens genervt. Das ständige Nachschauen oder Rechnen, wieviele Milliliter heißes Wasser für wieviele Messlöffel Milchpulver gebraucht werden war eine Sache. Richtig stinkig machte mich das Abkühlenlassen des kochend heißen Wassers. Wer schon einmal mit schreiendem Kind auf dem Arm darauf gewartet hat, dass sich die Wassertemperatur von 100°C auf 40°C reduziert, der weiß, warum es teure Geräte zur Beschleunigung gibt.

Dann entwickelte ich eine Methode, mit der sich nicht nur die Zubereitungszeit auf zwei Minuten reduziert, sondern auch kein Rechnen oder Nachschauen mehr nötig war. Ich nenne sie die 1:1:1 Methode und erkläre sie im Detail. Sobald man das einmal durchschaut hat, braucht man wirklich nicht mehr darüber nachzudenken. Vielleicht haben das erfahrene Mamas schon lange entdeckt, aber wir fanden dieses System so viel einfacher, dass es nicht unerwähnt bleiben durfte. Wenn jemand schwerwiegende Gründe weiß, warum man das nicht so machen sollte, dann immer her mit den Kommentaren. Mir ist kein Grund eingefallen.


Babynahrung einfach mal einfach zubereiten

Statt sich an den Millilitern wie auf den Packungen angegeben zu orientieren, nutzt man einfach die Ounce-Markierungen, die ebenfalls auf allen Fläschchen angegeben sind (die gegenüberliegenden ganzen Zahlen an der Messskala). Pro Ounce benötigt man einen Messlöffel Milchpulver. So braucht man dem Ehegemahl nicht mehr zurufen, dass er 210 ml Wasser für ein 240 ml Fläschchen einfüllen und dann noch sieben Messlöffel dazugeben muss, sondern die kurze Aussage „7“ genügt als Antwort auf die Frage „Wieviel?“. 7 Ounces, 7 Messlöffel.

Und nun kommt der dritte Faktor, der das Abkühlen integriert. Pro Ounce wird ein Eiswürfel in das leere Fläschchen gegeben, BEVOR das kochende Wasser eingefüllt wird. Damit wird das Wasser in wenigen Sekunden auf die richtige Temperatur heruntergekühlt und gleichzeitig erspart man sich versehentliches Verdünnen durch spätere Zugabe von Eiswürfeln. (Wer sicher gehen will, stellt die Eiswürfel aus abgekochtem Wasser her.)

Also, während das Wasser abgekocht wird, gibt man (um am Beispiel zu bleiben) 7 Eiswürfel ins Fläschchen, und füllt dann das heiße Wasser bis zur 7 Ounces Markierung auf. Kurz etwas schwenken, bis die Eiswürfel aufgelöst sind und nun noch 7 Messlöffel dazugeben. Dann gut schütteln und fertig ist das Fläschchen. Easy, oder? Hier nochmal die Zusammenfassung:

1 Ounce : 1 Eiswürfel : 1 Messlöffel


Weisheit aus dem Rückblick

Im Nachhinein glaube ich wir hätten uns einiges Schreien und Verzweifeln erspart, wenn ich etwas früher auf diese Spur gekommen wäre. Ich glaube immer noch, dass Stillen das Beste und Unkomplizierteste für Mutter und Kind ist – und mit Sicherheit das wesentlich Günstigere! Ich glaube auch, dass sich im Normalfall die Produktion an die Nachfrage anpasst und ein verfrühter Griff zur Babynahrung ein Bein stellen kann. Aber wenn die Faktoren so zusammenspielen, dass das Baby die Produktion nicht ankurbeln will, solange nicht mehr da ist, und nur mehr kommt, wenn das Baby auch mitspielt, dann kann der Griff zur Babynahrung ein vernünftiger Schritt aus dem Teufelskreis sein.

Ich weiß, dass zu diesem Thema sehr erhitzte Debatten unter Müttern geführt werden und daran möchte ich mich nicht beteiligen. Vielmehr möchte ich für etwas mehr Verständnis plädieren. Wir dürfen im Normalfall davon ausgehen, dass eine Mutter nur das Beste für ihr Kind möchte. Welche Entscheidungen Du bezüglich der Ernährung Deiner Kinder oder mit Blick auf sonstige mütterliche Streitthemen auch fällst – ich bin davon überzeugt, dass Du in Deiner Situation mit den vorhandenen Möglichkeiten immer das Beste machen wirst.

Vertraue also auf Dein Bauchgefühl. Egal ob Stillen oder Flasche – wir leben glücklicherweise in einer Zeit und einem Teil der Welt, wo unsere Kinder in jedem Fall gut versorgt sind.

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Frau hält Babyflasche und Milchpumpe ins Bild. Text:"Stillen und Flasche - Warum es auch beides sein darf"

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claudi

Friday 28th of September 2018

Wow, wirklich eine super Idee mit der Schnell-Flasche :) Das werde ich morgen auch gleich mal austesten. Ich versuche ja die ganze Zeit, meine Kleine abzustillen. Sie will aber bisher keine Flaschen annehmen. Für uns ist es daher ein doppelter Aufwand. Flasche zubereiten warten, probieren ob sie trinkt - ja nein doch nicht. Am Ende dann wieder stillen. Puuh, ja ganz schon anstrengend.

Liebe Grüße Claudi

sabrina

Tuesday 19th of July 2016

Als meine Tochter noch klein war,habe ich irgendwann angefangen morgens wasser abzukochen und abkühlen zu lassen und für den tag in einer leeren Flasche aufbewahrt und wenn ich eine flasche fertig gemacht habe musste das nur noch in richtigen verhältniss mit heißen Wassser gemischt werden und war schnell fertig.Ansonsten sind Glasflaschen unter den Wasserhahn auch schneller abgekühlt als andere Flaschen. lG Sabrina

Julia

Monday 13th of June 2016

Als die Große die Flasche nachts bekam, habe ich damals einen Wasserkocher gekauft der in 5 Grad Schritten aufgewärmt hat. Ich habe abends das Wasser einmal abgekocht und Nachts dann auf 40 Grad wieder erhitzt und in den vorbereiteten Fläschen getan. Ich hoffe mein Sohn will länger gestillt werden und nebenbei hast du einen wirklich tollen Blog. Ich werd noch viel ausprobieren.

Lg Julia

heidi

Monday 13th of June 2016

Liebe Julia, Das ist ja auch ein toller Tipp! Ich wusste gar nicht, dass es so clevere Wasserkocher gibt :) Besonders für nachts ist das definitiv eine super Lösung. Gerade da ist mir immer wieder aufgefallen, wie viel einfacher es ist zu stillen! Ich hoffe mit Dir, dass Dein Sohn es noch eine Weile genießt :)

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