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Die zwei Seiten des Online Shopping

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Einzusehen, dass sich das Leben nicht in schwarz-weiß erklären lässt, dazu habe ich etwas länger gebraucht. Ich war gut darin, alle Grautöne weg zu diskutieren und bestand darauf, dass sich jede Fragestellung entweder in die „weiß=gut“ oder eben „schwarz=böse“ Kategorie einordnen lassen muss. Je nach Ausgang meiner Aufteilung wurde das Thema dann zu 100% unterstützt, für gut befunden und propagiert oder eben davor gewarnt und, koste es was es wolle, vermieden.

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Inzwischen habe ich eingesehen, dass das Leben so (leider? Gott sei Dank?) nicht funktioniert und es nicht schadet, wenn man den vielen Schattierungen auf der Skala zwischen Schwarz und Weiß etwas Beachtung schenkt. Dazu benötigt man auch keinen fragwürdigen Bestseller, sondern nur zwei offene Augen, die bereit sind auch die zweite Seite einer Medaille zu betrachten.

Wenn man über die praktischen Vorteile des Online-Einkaufens schreibt, kommt man nicht umhin sich mit den kritischen Stimmen zu diesem Thema auseinanderzusetzen. In dieser Debatte fehlt mir oft eine ausgewogene Sicht und ein Blick auf besagte übersehene Seite der Medaille.

Seit Jahren wird vor dem Untergang der kleinen Geschäfte gewarnt – erst wegen der großen Märkte und inzwischen weil mehr Menschen online ihre Einkäufe erledigen. Das Kulturgut des Tante Emma Ladens wird betrauert, über zerstörte Arbeitsplätze geschimpft, ja, sogar der Untergang unserer abendländischen Traditionen bejammert. Wenn die Discounter und Mode-Ketten gerade nicht am Pranger stehen, dann steht dort der Online-Riese Amazon. Sollte man da nicht konsequenterweise Online-Bestellungen (und Einkäufe beim Discounter) meiden, um mit ruhigem Gewissen die Waren in den Küchenschrank packen zu können? Welche Welt hinterlassen wir unseren Kindern, wenn Tante Emma Läden höchstens noch als Touristenattraktion gelten können?

Mein Versuch eines Blickes auf die zweite Seite der Medaille ist sicherlich davon geprägt, dass ich als introvertierter Mensch die Anonymität eines großen Geschäftes dem erwartenden Blick eines Ladeninhabers bei Weitem vorziehe.

Was bei Debatten zu diesem Thema oft übersehen wird ist der natürliche Lauf der Weiterentwicklung. Wenn ich ein Geschäft (welcher Sorte auch immer) eröffne, habe ich nie die Garantie, dass sich mein Geschäftsmodell auch in 10 oder 30 Jahren noch rechnet oder überhaupt noch Sinn ergibt. Das schreibe ich als Frau, die im kleinen Familienunternehmen angestellt ist und deren bescheidenes Mini-Job-Einkommen aus dem Online-Verkauf von Laptop-Tasten maßgeblich zur Familiensicherung beiträgt. Dennoch sind wir uns darüber im Klaren, dass in zehn Jahren möglicherweise niemand mehr eine Ersatztaste für sein MacBook kaufen möchte, weil sich die Technik vielleicht von klassischen Keyboards weg entwickelt hat.

Die Hersteller von Pferdefuhrwerken waren mit Sicherheit nicht begeistert, als die ersten Autos auf dem Markt erschienen. Dennoch haben Millionen Menschen Arbeit in der Autoindustrie gefunden. Ähnlich steht es um die Proteste der Fährunternehmen im Ärmelkanal, als Pläne laut wurden, dass ein Tunnel unter dem Meer den Zugverkehr zwischen England und dem Kontinent ermöglichen sollte. Inzwischen hat sich gezeigt, dass die Fähren sich noch immer größter Beliebtheit erfreuen und durch das erhöhte Reisevolumen die Bahn eine sinnvolle weitere Option anbietet, die ebenfalls vielen Menschen Arbeit ermöglicht.

Mit der Zeit haben viele kleine Geschäfte ihr Angebot auf den virtuellen Markt ausgedehnt, womit sie nicht nur den Introvertieren unter uns ein großes Stück entgegen kommen, sondern gleichzeitig den reduzierten Laufkundenstrom ausgleichen und sogar ein weitaus größeres Publikum ansprechen können. Nichts anderes erklärt die größtenteils kommerziellen Angebote bei Ebay, die klassische Gebots-Verkäufe an den Rand (bzw. zu Ebay Kleinanzeigen gedrängt haben). Welcher kleine Technik-Laden aus einem 6000 Einwohner Städtchen freut sich wohl nicht über die größere Reichweite, die der Online-Markt bietet? Und ganz nebenbei haben mehr als eine Handvoll Menschen Arbeit bei Lieferdiensten gefunden.

Ich mache auch kein Geheimnis daraus, dass ich ein Amazon-Fan bin – nicht so, dass ich mir ein T-Shirt mit Logo anziehen würde, aber ich kaufe dort gern ein. Die Gründe dafür habe ich bereits genauer beleuchtet. Neben dem Discounter um die Ecke ist Amazon meine erste Anlaufstelle für alles, was ich in Ersterem nicht bekomme. Mit all der Kritik, die man über Amazon immer wieder zu lesen bekommt, sollte man sich fast schon schlecht fühlen, wenn man dort bestellt oder Teil des Affiliate Programms ist. Ausgewogenere Betrachtungen wie diese gehen dabei leider eher unter.

Ähnlich wie bei der Debatte um die Zustände in den Fabriken der Bekleidungsindustrie fehlt mir in den Diskussionen die Sicht auf das Gesamtproblem. Würde es den Arbeitern in Bangladesch besser gehen, wenn sie in einem Staat ohne Sozialsystem plötzlich ohne Arbeit dastünden, weil die Kleidungsindustrie in andere Länder umziehen musste? Kann man von ausländischen Firmen verlangen, das aufzufangen, was im Land schief läuft? Ich möchte damit keinesfalls zum Ausdruck bringen, dass ich Ausbeutung und entwürdigende Behandlung der Mitarbeiter befürworte oder nicht schlimm fände. Ganz im Gegenteil.

Ich glaube, dass ein Unternehmen nur sein bestes Potenzial herausarbeiten kann, wenn das Wohlergehen der Mitarbeiter auf allen Ebenen des Menschseins genauso viel Beachtung erfährt wie Expansion oder Weiterentwicklung der Produkte. Es ist mehr als schade, wenn Unternehmen durch Druck von außen zur würdevollen Behandlung ihrer Mitarbeiter gezwungen werden müssen statt sich mit der Literatur zur Mitarbeiterentwicklung zu beschäftigen und eigenverantwortlich den Wert darin zu sehen. An dieser Stelle hat auch jeder Aktivismus zur Verbesserung von Lebensumständen der Benachteiligten seinen Platz.

Gleichzeitig sollte man Forderungen in Relationen stellen. Ein Amazonmitarbeiter verdient mehr als mein Mann als CIO einer internationalen Hilforganisation, bekommt Weihnachtsgeld und hat mehr Urlaubstage. Da er keine Kunden beraten muss kann ich auch verstehen, dass er nicht in der gleichen Tarifklasse eingestuft wird wie ein Verkäufer hinter der Ladentheke. Und solange in Entwicklungsländern keine gerechten Systeme aufgebaut und Bestechung auf höchsten Ebenen eingedämmt werden, solange keine Arbeitsschutzvorschriften landesweit umgesetzt werden und die Rechte der Ärmsten gesichert werden, halte ich eine positive Veränderung an den allgemeinen Lebensbedingungen der Schwächsten für wenig wahrscheinlich, egal ob H&M mehr oder weniger Shirts verkauft.

Das entbindet Unternehmen nicht von ihrer Verantwortung ihren Mitarbeitern gegenüber, macht für mich jedoch deutlich, dass es kein eindeutiges Feindbild gibt.

Am Ende muss natürlich jeder für sich entscheiden, womit er gut zurecht kommt – oder eben nicht. Solange wir uns gegenseitig diese Freiheit zugestehen anstatt Kaufverhalten zur Glaubensfrage zu erheben und uns deshalb in die Wolle zu bekommen, kann jeder guten Gewissens und fröhlich da einkaufen, wo er es für richtig hält.

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Hände am Laptop mit Kreditkarte. Text:"Die zwei Seiten des Online Shopping - Warum ich ohne schlechtes Gewissen bestelle"

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