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Magen-Darm-Infekt: Ernährung mit der BRAT-Diät

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Wenn ein Magen-Darm-Infekt das Leben auf den Kopf stellt, dann hilft diese kleine Abkürzung ganz schnell bei der Lebensmittelauswahl sowie Hinweise über Hausmittel bei Übelkeit und Erbrechen!

Magen-Darm-Infekt: Ernährung mit der BRAT-Diät - Bild 1

Kurzes Husten, gedämpftes Gegrummel, dann Weinen… Diese Geräusche ließen mich sofort ins Kinderzimmer springen, innerlich die Nase zuhaltend und im Kopf die Anzahl der noch verfügbaren Kinderbettlaken durchgehend. Wenig lässt mich so hilflos zurück wie ein sich erbrechendes, würgendes Kind. Der verlorene Schlaf wird nebensächlich hinter dem brennenden Wunsch, es einfach stoppen zu können. Doch leider heißt es in den ersten Stunden meist „Nase zu und durch“. Und so bleibt einem nur, möglichst ruhig das Bett schnell wieder nutzbar zu machen, den Gestank im Raum zu bekämpfen und das aufgebrachte Kind in den Arm zu nehmen und zu trösten.

Magen-Darm-Infekt: Ernährung mit der BRAT-Diät - Bild 2

Schon länger schwebte mir ein Artikel über ein Hausmittel gegen Übelkeit und Erbrechen vor, doch als vor Kurzem der Norovirus unsere Familie heimsuchte wurde schnell deutlich, dass es damit allein nicht getan ist.

Übelkeit und Erbrechen sind unangenehm genug, wenn sie uns als Erwachsene treffen, doch sobald sie unsere Kinder erwischen, werden auch viele praktische Fragen aufgeworfen. Nach der Untersuchung rattert der Kinderarzt eine Liste von verbotenen Lebensmitteln herunter (im wesentlichen Fett und Eiweiß) und sobald man wieder zuhause ist steht die große Frage im Raum: Doch was KANN es denn essen?

Flüssigkeitszufuhr steht zuerst im Vordergrund, doch wenn der Hunger kommt, muss ich meinen Mäusen auch irgendetwas anbieten. Der Kinderarzt-Rat „ein großer Topf Kartoffeln und Möhren“ mag zwar gut sein für den Magen, ist aber nichts, was ich in meine kranken Kinder hinein bekomme. Der Ausschluss von rohem Gemüse sowie Fetten (Öle, Nüsse & Butter) und Eiweißen (Milch, Käse, Fleisch/Wurst) führt bei genauer Betrachtung zu großem Suchen im Vorratsschrank. An dieser Stelle fand ich die im englischen Sprachraum sehr gängige BRAT-Diät unglaublich hilfreich, auf die mich befreundete internationale Mütter hingewiesen haben. Das ist nichts wirklich Neues und beinhaltet im Wesentlichen Dinge, die Kinderärzte auch empfehlen.

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BRAT-Diät

Das Hilfreiche daran ist, dass ich mir keine lange Liste merken muss, sondern anhand des Akronyms die Lebensmittel wieder abrufen kann, die mir ein Grundgerüst für die erlaubten Dinge liefern. Praktischerweise lässt sich das englische Akronym 1:1 im Deutschen verwenden und steht für

BBananen
RReis
AApfelmus
TToast

Im Kern stehen also trockene Kohlenhydrate und „stopfendes“ Obst. Glücklicherweise muss man kaum ein Kind zu Bananen überreden und auch Toastbrot ist eher beliebt. Interessanterweise ist es tatsächlich hilfreich, an dieser Stelle auf Vollkorn zu verzichten, um den Magen zu entlasten. Bei Apfelmus greife ich am liebsten zum Apfelmark – da ist kein extra Zucker zugefügt, sondern es handelt sich ausschließlich um Äpfel. Nebenbei gibt es auch eine Sorte Apfel-Banane, die etwas süßer schmeckt und eine gute Abwechslung für geplagte kleine Gaumen bietet.

Gestillte Babys können ja weiter gestillt werden. Für kleine Kinder, die noch Milchfläschchen trinken, fanden wir die Humana Heilnahrung bei Durchfall sehr hilfreich. Die können auch größere Kinder als Milchersatz verwenden – die Frage ist allerdings, ob sie durch den bananigen Beigeschmack als solches akzeptiert wird. Und sie ist natürlich auch echt teuer…

Als mir irgendwann die Ideen ausgingen, was ich meinen hungrigen, aber zu allem „nein“ sagenden Kindern noch anbieten könnte, entstand durch eine kleine Facebook-Umfrage unter befreundeten Müttern & Vätern eine hilfreiche Liste von Snacks, die alle mit in das Gerüst der BRAT-Diät fallen:

  • Cräcker (Tuc oder entsprechende Discounter-Eigenmarken)
  • Salzstangen
  • Maisbällchen
  • Reiswaffeln
  • Cornflakes (trocken knuspern)
  • Grissini
  • eifreie Nudeln, leicht gesalzen
  • Laugenbretzeln/-stangen
  • Porridge, mit Wasser gekocht, ohne Beeren
  • Wackelpudding, am besten selbstgemacht (Rezept folgt in einem separaten Artikel)
  • Traubenzucker-Drops
  • Honig* im Tee und auf dem Toast
  • Apfel-Bananen-Mark (z.B. bei dm), auch gefroren als Eis am Stiel
  • Kartoffeln, gestampft und mit etwas Gemüsepaste gewürzt
  • Zwieback (wobei kleine Kinder den oft zu hart finden)

Getränke bei Magen-Darm-Infekt

Da Kinder mit Erbrechen und Durchfall nicht nur viel Flüssigkeit, sondern auch Mineralstoffe verlieren, sind neben Leitungswasser auch die folgenden Flüssigkeitslieferanten erlaubt:

  • Tee mit Honig* (Kümmel-Fenschel-Anis, Kamille, koffeinfreier Schwarztee)
  • isotonische Getränke ohne Koffein
  • verdünnter Apfel- oder Traubensaft

Die WHO empfiehlt ein Rezept zur Versorgung mit Elektrolyten, womit man das Pulver aus der Apotheke ersetzen kann:

  • 4 TL Zucker
  • 1 TL Natron
  • 3/4 TL Salz
  • 200 ml Orangensaft
  • 1 l Wasser

Wenn diese Lebensmittel zwei Tage lang gut vertragen wurden (sprich: drin blieben…), kann und sollte man die Palette langsam etwas erweitern, weil auch Fette und Eiweiße zur Genesung benötigt werden. Gut geeignet sind:

  • Hartgekochte Eier
  • Brühe
  • Hühnersuppe mit Nudeln
  • dunkle Schokolade
  • Butterkekse
  • Naturjoghurt
Cracker und selbstgemachter Wackelpudding aus Traubensaft sind nahrhaft und erfrischend
Cracker und selbstgemachter Wackelpudding aus Traubensaft sind nahrhaft und erfrischend

Nach dieser Phase kann man langsam wieder zur normalen Ernährung zurückkehren. Auch wenn der Durchfall noch anhalten sollte, dürfen die kleinen Patienten wieder essen, worauf sie Appetit haben.

Wenn nur der Durchfall im Vordergrund steht, muss man Kindern keine BRAT-Diät antun. Sie dürfen essen, was sie möchten, sollten nur keine Fruchtsäfte trinken. Und natürlich hilft es, wenn einige der Lebensmittel dieser Liste angeboten werden, weil sie stopfend und remineralisierend wirken.

Hausmittel gegen Übelkeit

Ingwer als Hausmittel gegen Übelkeit und Erbrechen ist ja wahrscheinlich schon bekannt. Was mich sehr überrascht hat ist, wie schnell es mitunter wirken kann. Ich sage „mitunter“, weil es leider nichts gegen die Norovirus-Übelkeit tun konnte, jedenfalls nicht so deutlich wie wir das bei anderer Gelegenheit verzeichnen konnten.

Der Trick für schnelle Wirkung ist, frischen Ingwer in Honig* zu reiben und einen Teelöffel davon langsam im Mund zergehen zu lassen. Ich wünschte, ich hätte von dieser Form der Anwendung schon gewusst, als ich noch mit dem eher „muffigen“ Ingwertee meine Schwangerschaftsübelkeiten bekämpft habe.

Etwa ein halber Teelöffel geriebener Ingwer auf einen Esslöffel Honig* sollte genügen. Bei sehr kleinen Kindern muss man schauen, ob sie das tolerieren, da es etwas scharf ist. Unsere Dreijährige hat es mit etwas Beschwerde als Medizin akzeptiert.

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Hausmittel gegen üble Gerüche

Zuletzt noch ein Trick, der bei mitternächtlichen Erbrechenseinsätzen schnell für erträgliche Luft im Kinderzimmer sorgt, statt künstliche Gerüche mit Magensaurem zu vermischen… Insbesondere, wenn der Teppich in Mitleidenschaft gezogen wurde, braucht man einfache, wirksame Hilfe.

Grobes wird mit Küchenrolle tapfer beseitigt (an dieser Stelle frage ich mich jedes Mal, wie ich je Krankenschwester werden konnte…) und danach die betroffene Stelle großzügig mit Backsoda (Natron) bestreut. Mit einem Handtuch wird die Fläche abgedeckt und kann jetzt auf den nächsten Morgen (oder Nachmittag oder übernächsten Tag…) warten. Wenn man bereit ist, sich dem Unausweichlichen zu stellen, kommt das Handtuch in die Wäsche und die Backsoda wird mit dem Staubsauger aufgesaugt. Dann kann man sich der Fleckentfernung widmen, ohne selbst mit aufsteigendem Mageninhalt zu kämpfen, weil die Gerüche DEUTLICH erträglicher – ich würde sogar behaupten, größtenteils nicht mehr vorhanden sind.

Wenn alles abwischbar war und nur noch der Geruch in der Luft liegt, dann hilft ein Schälchen Natron im Zimmer, bis das nächste Mal gelüftet werden kann. Oder der einfache Raumlufterfrischer zieht kurzfristig aus dem Bad ins Kinderzimmer.

Praktische Helfer

Inzwischen habe ich mir einen Stapel Spucktüten besorgt, die ich noch aus dem Krankenhaus kannte und für unglaublich praktisch halte. Sie sind deutlich leichter in Reichweite zu halten als irgendwelche Eimer oder Tupperdosen und gerade für Kinder viel handlicher. Das Fassungsvermögen ist auch dem stärksten Schwall gewachsen und sie lassen sich hinterher durch Zudrehen und Festklemmen sicher zum Müll transportieren. Auch im Auto sind sie platzsparend dabei und schnell zu Hand. Leider ist meine Lieferung erst angekommen, als es für unser Auto schon zu spät war…

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Eine Anmerkung zum Honig

Honig hat sehr viele hilfreiche und heilsame Inhaltstoffe, die allerdings nur im rohen Imkerhonig vorhanden sind. Industrieller Honig wird normalerweise zu hoch erhitzt (über 40°C), wodurch die wertvollen Inhaltsstoffe zerstört werden. Deshalb ist Honig vom örtlichen Imker zu empfehlen. Wer nicht weiß, wo der nächste örtliche Imker ist, kann hochwertigen Imkerhonig auch online zum Beispiel hier bestellen. Bei Kindern unter einem Jahr sollte der jedoch bekanntermaßen noch nicht angewendet werden.

Abschließend fehlt eigentlich nur noch zu sagen, dass die gleichen Prinzipien natürlich für Erwachsene auch anwendbar sind. Die Spucktüten passen auch für Große und Wackelpudding hauchte auch meinem Mann wieder neue Energie ein… 😉

Und jetzt bin ich gespannt, welche Tipps & Tricks Du kennst, um diese anstrengende Zeit für alle erträglicher zu machen. Ich freue mich, wenn Du mir davon in einem Kommentar berichtest!

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Hier sind Links zu praktischen Helfern:

Perfekt für Pinterest:

Wenn die Magen Darm Grippe zuschlägt, benötigst Du eine Übersicht über Hausmittel gegen Übelkeit, Erbrechen und Durchfall, sowie eine Liste der Lebensmittel, die Kinder (und Erwachsene) essen können. Hier findest Du alles zur BRAT-Diät sowie Tipps, wie Erbrochenes vom Teppich entfernt werden kann.

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Katharina

Friday 7th of February 2020

Wow, was für tolle Tipps. Bei einer 6-jährigen habe ich schon so einige Magen-Darm-Krankheiten mitgemacht und nie so tolle Tipps auf einmal bekommen wie hier bei dir. Der Kleine 2-jährige darf jetzt davon profitieren. Vielen Dank!

Esther

Friday 11th of November 2016

Gerade beui Durchfall hlfen ja ganz gut getrocknete Heidelbeeren (Reformhaus). Als "Kanonenkugeln" verkauft essen die Kinder sie manchmal gerne. Ich las mal, dass sogar gezuckerte Heidelbeeren (aus dem Glas) der Darmflora gut täten. Also gab es diese bei uns in Sojajoghurt.

heidi

Monday 14th of November 2016

Das ist ja ein toller Tipp! Vielen Dank - den werden wir beim nächsten Mal ausprobieren, auch wenn ich hoffe, dass das noch seeehr lange dauert ;)

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